Einführung

Konzeption - Strategie - Storyboard - Plan - Arbeitsablauf - Organisation

zusammengestellt von Susanne Gründler

Strategien sind so unterschiedlich wie Websites: Websites dienen der Selbstdarstellung, zu Bildungszwecken, als Experiment, zur Unterhaltung, sind kommerzielle oder informationsbasierte Sites. Und es gibt die verschiedensten Kombinationen dieser Typen. Um eine Strategie zu entwickeln, ist keine Methode ausschließlich richtig. Und so eigenartig es auch klingen mag , es besteht die Gefahr eine zu strenge Strategie zu entwickeln. Im Gegensatz zu Printprodukten, die nach ihrer Entwicklung irgendwann abgesegnet und gedruckt werden - also zu einem bestimmten Zeitpunkt fertig sind, sind Websites erst "fertig", wenn sie sie vom Netz genommen werden. Websites entwickeln sich im Idealfall immer weiter, das liegt in der Natur dieses Mediums. So sollte auch die Strategie / die Konzeption der Website von Anfang an Möglichkeiten zur Erweiterung und Veränderung bieten.

Erste Fragen:

Wer gehört zu meinem Zielpublikum?

Was ist das kommunikative Ziel meiner Site?

Hat mein Kunde bestimmte Ziele oder Anforderungen?

Habe ich meinen Kunden gefragt, welche Sites ihm gefallen und warum?

Welchen Umfang soll die Site haben?

Welches Interesse haben die Nutzer der Site?

Gibt es gedrucktes Material, an das ich mich anlehnen kann oder muss?

Storybording

Der Begriff "Storyboard" (Drehbuch) stammt aus dem Filmgeschäft, wird aber auch oft für Multimediaprojekte verwendet. Dabei kann es sich um eine Handskizze auf einer Serviette oder um supertolle und aufwändige Farbbilder handeln. Beim Filmdrehbuch geht es meist darum, durch eine Abfolge von Skizzen (Comic) die zeitliche Abfolge der einzelnen Szenen mit ihrer Ausstattung und Kameraeinstellungen etc. zu dokumentieren. Beim Storyboard einer Website geht es darum, die nicht notwendigerweise lineare Abfolge der verschiedenen Ansichten einer Site zu visualisieren, bevor die einzelen Seiten realisiert wurden. (Wie sieht die Startseite aus und was passiert, wenn der Benutzer da oder da klickt oder auch nur eine bestimmte Stelle mit dem Mauszeiger überfährt?)

Im Filmgeschäft wie in der Multimedia-Agentur erfüllt ein Storyboard unter Umständen mehrere Zwecke, für die es unterschiedlich aufwändig ausgeführt werden muss.

nur für mich

Arbeitsgrundlage für das Team

Entscheidungsgrundlage für den Kunden

Egal, für welchen dieser Zwecke das Storyboard erstellt wird, folgende Punkte sollten bedacht werden:

Metaphern

Design

Flussdiagramme

Navigation

Sitestruktur


Definiton der Zielgruppe:

Wer soll mit dieser Web-Site erreicht werden?

Kriterien hier für können sein: Berufsgruppen, Interessengruppen, Bezugsgruppen (Kunden, Mitarbeiter, Händler, Auftraggeber, Erstkunden, Stammkunden, ...) Einkommensgruppen, Altersgruppen, Geschlecht, vermutete Kompetenz in Bezug auf den Umgang mit dem Internet und die Ausstattung in Bezug auf benötigte Hard- und Software-Komponenten.

Was ergibt sich aus der Zielgruppe für die technischen Umgebungsvariablen?

Für welche Browser und -versionen soll der Auftritt optimiert werden?

Für welche Bildschirmauflösung soll der Auftritt optimiert werden?

Für welche Übertragungsgeschwindigkeit soll der Auftritt optimiert werden?

Sollen Ton-, Video-, Flash-Dateien eingebunden werden?

Sollen Frames verwendet werden?

Sollen Java- und CGI-Scripte verwendet werden?

Müssen verschiedene Sprachen (de, en, it, fr, es, ...) berücksichtigt werden?


Definition der kommunikativen Ziele:

Was soll mit dieser Web-Site erreicht werden?

Präsentation, Vermarktung, Information, Kommunikation, etc.
Es ist hilfreich, möglichst genau die Hauptziele zu formulieren. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für das Design, die Navigation, etc.


Der Kunde ist König.

wenn Sie einen Kunden haben, lohnt es sich wirklich, sich genau nach dessen Wünschen zu erkundigen. Das klingt ungeheuer banal, aber es kommt ungeheuer oft vor, dass Designer ganze Websites fertiggestellt haben, die in keinster Weise den Wünschen des Kunden entsprachen. Lassen Sie Ihr EGO aus dem Spiel. Zuweilen wünschen sich die Kunden wirklich langweilige Sachen, aber schließlich zahlen sie dafür. Uneinsichtige Kunden gehören in diesem Geschäft zum Alltag , und ein Teil Ihres Erfolges besteht darin, sich mit ihnen auseinandersetzen zu können.


Lieblingssites des Kunden:

Bitten Sie Ihren Kunden, Ihnen eine Liste mit seinen Lieblingssites zu schicken. Gehen Sie diese dann zusammen mit dem Kunden durch. Finden Sie heraus, was dem Kunden an diesen Seiten gefällt, welche Funktionen er auch in seiner Site haben möchte. So erhalten Sie wertvolle Informationen, wie Sie ihre eigene Arbeit strukturieren, damit Sie den Erwartungen und dem Geschmack Ihrer Kunden möglichst entsprechen können. Sie können dem Kunden natürlich auch Ihre eigenen Lieblingssites zeigen, um ihm zu verdeutlichen, in welche Richtung Sie seine Seiten entwickeln wollen.


Umfang der Site:

Dieser Schritt ähnelt sehr der Festlegung der Ziele, hat aber eher mit den angebotenen Diensten und ihrer Intensität zu tun. Wieviele Texte und Bilder werden benötigt? Brauchen Sie ein Gästebuch, eine Datenbank, einen Einkaufswagen, ein Email-Formular oder Frames? Sollen Videos, Töne oder eine Webcam eingebaut werden? Preisrätsel? Spiele? Referenzen? Werden über den Shop ein oder 1001 Produkt verkauft?


Denken Sie Nutzer orientiert!!!!

Versetzen Sie sich und andere in die Rolle des Nutzers. Welche Interessen, Wünsche, Vorlieben hat er? Bei der Suche nach dem Kompromiß zwischen den Vorstellungen des eiteln MediaDesigners und des eiteln Firmenchefs bleibt oft die eigentliche Zielperson - der unbekannte Internet-user - völlig unbeachtet. Oder dieser unbekannte Mensch denkt, handelt, fühlt genauso wie ich.


Material:

Fertiges Material spart viel Arbeit und schränkt die Kreativität ein.
Achtung: Papier fordert eine andere Gestaltung als der Bildschirm. Nur ein Beispiel: Papier hat immer eine feste Größe. Bildschirmseiten können beliebig groß sein. Und doch stehen die Webdesigner immer unter Platznot.



Das Storyboard nur für mich:

Der schwierigste Fall, da diese Art von Storyboard oft arg vernachlässigt wird, für den Arbeitsablauf aber genauso wichtig ist. Nehmen Sie sich selbst wichtig. Beziehungsweise nehmen Sie das Storyboard wichtig. Die Präsentationsform braucht hier nicht über Handskizzen hinauszugehen.


Das Storyboard als Arbeitsgrundlage für das Team:

Ordnung und Disziplin werden die Schwerpunkte des Storyboards für das Team sein. Das heißt, die Präsentationsform muss nicht schön sein, sondern die Zusammenarbeit erleichtern. Themen, die für den Kunden uninterssant sind - wie zum Beispiel Dateinamenvergaberichtlinien - sollten hier genauestens ausgeführt werden.


Das Storyboard als Entscheidungsgrundlage für den Kunden:

Hier kann es nötig werden, das Storyboard in seiner ganzen Pracht zu entfalten. Zum Beipiel wenn Konkurrenten mit eingeladen sind. Achtung: wer zahlt den Aufwand?



Metaphern oder Leitthema: Das ist der Duft der Site

Zuweilen können sich Metaphern beim Design einer Site als hilfreich erweisen, manchmal stören sie eher. Das ist oft reine Geschmackssache. Nehmen wir zum Beispiel eine Suchmaschine. Als Metapher bietet sich eine Lupe an, aber die Nutzer einer Suchmaschine interessieren sich nicht für schöne oder lustige Grafiken, sondern wollen sich auf schnell-ladenden Seiten einfach zurechtfinden. Als Metapher für das Internet werden immer wieder Spinnennetze genutzt, aber gelten sie nicht als Synonym für verstaubt? Eine weitverbreitete Metapher ist die des Kartenreiters, er kommt als Ordnungskriterium aus der Welt des Papiers, ist also vertraut und funktioniert auch im WWW ganz platzsparend.


Design: So soll es aussehen

Werden nicht nur einfache Handskizzen angefertigt, sollte schon bei der Herstellung des Storyboards in Photoshop darauf geachtet werden, dass mit vielen Ebenen gearbeitet wird um später viel kleine webtaugliche Graphiken exportieren zu können.


Flussdiagramme: Das sind die Hauptthemen und ihre Anordnung

Schreiben Sie jede Kategorie Ihrer Website auf eine separte Karteikarte.
Legen Sie sie auf dem Fußboden aus, und ordnen Sie sie logisch an.
Geben Sie anderen Mitarbeitern aus ihrem Team denselben Kartenstapel. Stellen Sie fest, ob diese die Karten anders anordnen.
Wählen Sie die beste Idee aus.


Navigation: Wie wird sich der Nutzer innerhalb der Site bewegen können

Der Benutzer muss einen Link als solchen erkennen können.
Der Benutzer muss am Link erkennen können, wohin er geführt wird.
Der Benutzer muss zurückgehen können.
Der Benutzer muss erkennen können, wo er ist.
Der Benutzer muss erkennen können, was die Site alles zu bieten hat.
Was ist die optimale Anzahl von Links?
Welche Links lassen sich in Gruppen zusammenfassen?
Und dann soll die Navigation auch noch blinken, zittern, verschwinden, wieder auftauchen und sich bewegen.


Sitestruktur: Welche Seiten es geben soll

Unter Sitestruktur versteht man eine übersichtliche Liste mit allen Seiten der Site, ihren Namen und ihrem Platz in der Hierarchie der Website. Das mag sich überflüssig anhören, ist aber bei Teamarbeit unverzichtbar. Diese Liste kann weitere Rubriken enthalten wie: Wer fertigt diese Seite bis wann an; welche Bild- , Ton-, Video-, Flashdatein gehören zu dieser Seite, ist das nötige Material vom Kunden schon geliefert. etc.? Die Sitestruktur muss nicht notwendigerweise in eine Präsentation für den Kunden, sie kann aber unterstreichen wie aufwändig die ganze Geschichte ist.